In letzter Zeit kam es in Kassel und anderen Gegenden in Hessen und Deutschland wiederholt zu körperlichen Angriffen beim Cruising oder bei anomyen Treffen über Dating-Apps. Die Angriffe richteten sich dabei gezielt gegen Männer, die Sex mit Männern haben und andere queere Personen. Von queer- und homofeindlichen Motiven ist auszugehen. Wir möchten an dieser Stelle einige Hinweise zu aktuellen Vorkommnissen sowie Tipps zum sichereren Dating und Crusing teilen.

Aktueller Fall: Angriff am 20. Juni 2026

Die Staatsanwaltschaft Kassel und das Polizeipräsidium Nordhessen haben bekannt gegeben, dass es gegen 1 Uhr am Samstag, dem 20.06.2026, auf dem Parkplatz P3 nahe des Buga-Sees in Kassel zu einem Angriff gegen einen 51 Jahre alten Mann gekommen ist. Der Mann verlor durch die Tritte gegen seinen Kopf das Bewusstsein. Der Angriff wurde von drei Tätern durchgeführt, die das Opfer unvermittelt angegriffen haben.

Das Opfer hatte den Parkplatz aufgesucht, um dort Kontakt zu anderen Männern zu finden. Er ist auf dem Parkplatz mit den drei Tätern ins Gespräch gekommen. Die Polizei geht von einem homofeindlichen Motiv der Täter aus.

Die Kasseler Polizei bittet um Hinweise zur Tat. Insbesondere direkte Beobachtungen oder Hinweise auf die Täter können hilfreich sein. Hinweise können unter der Mail-Adresse Crusing.ppnh@polizei.hessen.de eingereicht werden. Telefonisch kann die allgemeine Durchwahl des Polizeipräsidiums Nordhessen gewählt werden: 0561 9100.

Die vollständige Pressemitteilung zur Tat gibt es hier: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/44143/6312214

Gab es weitere Gewalttaten?

Ja. In den letzten Jahren gab es wiederholt Berichte über gezielte Angriffe auf Menschen, die Cruising-Orte aufsuchen oder über Apps und Webseiten anonyme Sexdates vereinbaren. Die Angriffe richten sich dabei gezielt gegen Männer, die Sex mit Männern haben und andere queere Personen. Deswegen gehen Ermittlungsbehörden auch von klaren queerfeindlichen Motiven aus.

Aufsehen erregte zum Beispiel eine Angriffserie, die im Januar 2025 bekannt wurde. Fünf Jugendliche sollen queere Menschen über Dating-Portale zu Treffpunkten gelockt, dort angegriffen und teilweise ausgeraubt haben. Mindestens acht Fälle waren den Ermittlungsbehörden bekannt. (Bericht bei der Hessenschau).

Aber auch in Kassel gibt es in letzter Zeit Berichte von Gewalttaten an Crusing-Orten und bei Dates. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Nordhessen sind mittlerweile auch Polizeikräfte an Cruising-Plätzen unterwegs, um die Personen vor Ort zu schützen.

Sollen Straftaten und Gewalttaten angezeigt werden?

Unbedingt. Das Polizeipräsidium Nordhessen weist darauf hin, dass Gewalttaten möglichst direkt bei der Polizei gemeldet werden sollten. Eine schnelle Fahndung sowie die Sicherung von Spuren und Beweisen können die Aufklärung erleichtern.

Auch vermeintlich kleine Hinweise können wichtig sein. Dazu gehören Personenbeschreibungen, Angaben zu Fahrzeugen, Screenshots von Profilen und Chats oder andere Beobachtungen am Tatort.

Bei akuter Gefahr oder wenn sich Täter noch in der Nähe befinden, wählt bitte den Notruf 110.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Kassel erfolgt die Aufnahme von Anzeigen diskret. Es gibt keine Kontaktaufnahme mit Arbeitgebenden, Angehörigen oder Partner*innen.

Anzeigen sind auch mit unserer Unterstützung möglich. Kriminalhauptkommissarin Vanessa Ruth steht dafür als Ansprechperson zur Verfügung. Sie ist Beauftrage für LSBT*IQ beim Polizeipräsidium Nordhessen. Nach vorheriger Vereinbarung kann eine Anzeige in einem geschützteren Rahmen auch in unseren Räumlichkeiten aufgenommen werden. Weitere Infos gibt es hier.

Tipps für sichereres Crusing & Dating:

Wir möchten einige allgemeine Hinweise teilen, mit denen sich Risiken beim Cruising und bei Dates verringern lassen.

Gut zu beachten:

  • Bleibt an abgelegenen Orten möglichst in Rufweite anderer Personen. Achtet darauf, dass ihr einen freien Rückweg habt.
  • Teilt einer Vertrauensperson vorher mit, wo ihr seid. Das gilt für Cruising ebenso wie für Dates. Nennt möglichst konkrete Angaben wie Wohnung, Hotel, Parkplatz und Zeitpunkt. Verabredet am besten auch, wann ihr euch wieder meldet.
  • Trefft euch bei Verabredungen mit unbekannten Personen zunächst an einem öffentlichen und belebten Ort. So könnt ihr die Person kurz kennenlernen und einen ersten Eindruck gewinnen.
  • Es ist vollkommen in Ordnung, ein Date jederzeit abzubrechen. Egal, ob ihr keine Lust mehr habt, euch eine Situation unangenehm ist oder ihr einfach auf euer Bauchgefühl hören wollt. Ihr schuldet niemandem Sex oder eine Erklärung.
  • Fragt beim Online-Dating auch Freund*innen, ob sie ein Profil kennen.
  • Aktuelle Fotos, ein kurzer Videoanruf oder ein Foto mit einem vorher vereinbarten Zeichen können dabei helfen, offensichtliche Fake-Profile zu erkennen.

Am besten vermeiden:

  • Gebt Fremden in Apps oder auf Webseiten nicht sofort eure Wohnadresse. Trefft euch zunächst an einem anderen Ort.
  • Seid vorsichtig, wenn eine Person Druck macht, Angaben ständig verändert, gar keine Bilder teilt oder den Treffpunkt kurzfristig verlegen will.
  • Lasst euch nicht alleine an einen abgelegen Ort führen, wenn euch die Situation merkwürdig vorkommt. Dies gilt umso mehr, wenn ihr euch mit einer Gruppe von Männern trefft.
  • Geht an dunklen oder schwer einsehbaren Orten möglichst nicht so weit vom belebten Bereich weg, dass euch niemand mehr hören oder sehen kann.
  • Vermeidet Profile mit wenigen oder gar keinen Beiträgen. Auch komplett neue Profile ohne Follower*innen sollten mit Vorsicht bedacht werden.

Hintergrund: Was ist Cruising?

Cruising bedeutet, gezielt in öffentlichen oder halböffentlichen Räumen nach sexuellen Kontakten zu suchen. Dies erfolgt meist anonym. Historisch ist Cruising vor allem mit schwulen Männern verbunden, für die Parks, Toiletten, Saunen oder bestimmte Straßenzüge auch deshalb wichtig waren, weil offene queere Begegnungen kaum möglich oder mit Gefahren verbunden waren.

Cruising und anonyme Sexdates sind für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für andere queere Personen eine häufig genutzte Möglichkeit, ihre Sexualität auszuleben. Internetplattformen und Apps erleichtern entsprechende Verabredungen.

Für das Cruising werden häufig bestimmte Orte genutzt, die innerhalb der Szene und teilweise auch darüber hinaus bekannt sind. Auch Plattformen und Apps richten sich oft gezielt an queere Personen. Was auf der einen Seite die Kontaktaufnahme erleichtert, ermöglicht es Täter*innen jedoch auch, gezielt homosexuelle und queere Menschen anzugreifen.

Achtet deswegen auf euch. Und meldet Übergriffe und Straftaten bei der Polizei.

Ihr könnt euch mit Fragen auch gerne an unser Team wenden.

Wir sind Queerschnitt Nordhessen e.V.