Positionspapier zu Homosexualität im Sport, in Sportvereinen und im Fußball

Anlässlich unserer Filmvorführung und Podiumsdiskussion „Mario“ am 17. April 2019 haben wir zusammen mit HESSEN-IST-GEIL! und Queer Football Fanclubs ein Positionspapier verfasst:

Positionspapier zu Homosexualität im Sport, in Sportvereinen und im Fußball

Für viele Menschen bedeutet Sport Freude, angenehme Gesellschaft und ein positives Lebensgefühl. Für viele andere wiederum nur immer wiederkehrende Diskriminierung oder das unterbewusste Gefühl, nicht so akzeptiert zu werden, wie man ist. Wir können uns gemeinsam dafür stark machen, dass sich dies ändert!

Dass die Arbeit von Sportvereinen wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft ist, wird auch immer wieder durch die integrative Arbeit dieser deutlich. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund oder geflüchtete Personen finden im Sport oftmals Anschluss in bestehende gesellschaftliche Verhältnisse und erfahren dadurch Akzeptanz und Anerkennung. Diesen Aspekt vom Sport für alle gilt es nun auch in andere gesellschaftliche Bereiche zu übersetzen.

Dieses Positionspapier soll dazu beitragen, auf die gesellschaftlichen Dynamiken hinzuweisen und einen positiven Effekt in Bezug auf Gleichstellung, Antidiskriminierung und Diversität herzustellen. Wir wissen, dass es nicht damit getan ist, diese Forderungen auf dem Papier zu stellen. Dennoch geht von diesem Papier eine symbolische Geste und ein Zeichen von Wahrnehmung aus, welches auch in der Welt des Sports größere Bedeutung erlangen sollte. Sexuelle und geschlechtliche Identität sollten endlich nicht mehr als Tabuthemen behandelt werden.
Wir sollten uns deshalb fragen, warum ein gesellschaftliches Umfeld existiert, in der bestimmte Sportarten vermeintlich nicht zu bestimmten sexuellen und geschlechtlichen Identitäten passen und wie diese Verknüpfungen entstehen. Im Sport und auch vor allem im Fußball sind Kraft, Disziplin und Willensstärke gefragt. Eigenschaften, die vermeintlich männlichen Stereotypen entsprechen. Diese Stereotypen aufzubrechen ist auch die Aufgabe gesellschaftlicher Träger, sozialer Organisationen und von (Fußball-)Vereinen. Diese sind stets aufgefordert, sensibel auf Diskriminierungen einzugehen, Anlaufstellen für betroffene Personen zu schaffen und ihre Mitglieder auf unsensibles, verletzendes oder diskriminierendes Verhalten aufmerksam zu machen.

Sich nicht verstecken zu müssen ist ein großes Thema im Leben von Menschen – vor allem im Leben derjenigen, die in unterschiedlichster Art und Weise von Diskriminierung und Isolierung betroffen sind. In Sportvereinen ist dies teilweise eingeschränkt, was nicht zuletzt dadurch untermauert wird, dass es keinen aktiven männlichen Profifußballer gibt, der sich als homosexuell geoutet hat. Dieses Gefühl von Anderssein oder Nichtdazugehören wird durch ein Umfeld, welches oft nicht tolerant und offen reagiert, zusätzlich verstärkt. Denn auch ein nicht-zu-sich-selbst-stehen-können kann oftmals Diskriminierung erzeugen. Deshalb gilt es umso mehr, für ein vielfältiges und buntes Lebensumfeld in allen gesellschaftlichen Bereichen zu kämpfen.
Wir freuen uns auf die gemeinsame Diskussion am 17.04.19 und stehen auch darüber hinaus, als Ansprechpartner*in zur Verfügung. Dieses Positionspapier veröffentlichen wir auf unseren Homepages und freuen uns, Sie/Euch als Unterstützer*in aufführen zu können.

Mit den besten Grüßen,
Niklas Gudorf – AIDS-Hilfe Kassel e.V.
Serdar Arslan – HESSEN IST GEIL!
Sven Kistner – Queer Football Fanclubs